After Carnival
2007-04-30
„ Die Flure und Säle, sonst dumpf und verlassen,
sind heut' voller Masken in fröhlichem Glanze;
in Räumen mit Blumen drehn schnell, nicht zu fassen
orkangleich sich Menschen in sinnlosem Tanze.
Mit Drachen im Arme die Monde hingleiten,
chinesische Vasen dazwischen sich schwingen;
die Fackel glüht auf, und es lassen die Saiten
den Namen, den nie zu begreifenden, klingen.
Die Rufe der wilden Mazurka erwachen;
und dich, Kurtisane von Sodom, umfangend,
muß einmal ich trauern und dann wieder wieder lachen,
vernehme Vertrautes von seltsamem Klange.
Ich bitte die Freundin: «Die Maske reiß nieder!
Erkennst du mich nicht, der als Bruder gekommen?
In dir klingt ein uraltes Märchen mir wieder,
ein Märchen, das irgendwann schon ich vernommen.
Für alle wirst ewig die Fremde du bleiben
und bist nur für mich die unendlich Bekannte;
und glaub' mir, ich berg's vor des Maskenfests Treiben,
daß, Herrin von Sodom, ich längst dich schon kannte.»
Ich höre ihr Lachen, das jung ist, erklingen;
ihr Blick aber sucht meinem Blick zu entgleiten.
Und zwischen den Tanzenden Vasen sich schwingen,
mit Drachen im Arme die Monde hingleiten.
Dann sehe ich plötzlich am Fenster verhangen
in nichtiger Drohung das Nachtdunkel schweben.
Da gleitet sie mir aus dem Arm gleich der Schlange,
reißt nieder die Maske, den Blick zu erheben.
Mir kommt die Erinnrung — sie bringt ihre Nähe:
Genau solche Lieder, solch Leidenschaftsbeben,
und lockendes, schmeichelndes Flüstern: «Erstehe
für Schmerz und für Freuden, erstehe fürs Leben!»
Und vieles wird deutlich aus früheren Tagen;
den schrecklichen Schwur aber breche ich nimmer.
O Herrin, du siehst mich in Fesseln geschlagen.
Nimm hin meinen Leib, meine Seele für immer!“
Николай Гумилев "Маскарад" Deutsch vom Irmgard Wille
This makes me sad for some reason
Die schöne venezianische Karnevalszeit.